Am wohlsten fühle ich mich am Wasser. Vielleicht kommt es daher, dass es in Berlin wo ich herkomme, viel Wasser gibt. Auch im Urlaub war ich mit meiner Familie oft am Meer. Bald lernten wir alle zusammen surfen. Kurz vor dem Abitur, wurde an unserer Schule eine Segel-AG angeboten. Mit großer Begeisterung habe ich mich sofort angemeldet und einen Segelschein für Binnengewässer gemacht. Nach der erfolgreichen Prüfung ging es zur Belohnung mit dem Traditionssegler „Seute Deern“ und allen Mitprüflingen nebst zwei Lehrern auf die Ostsee. Ein unerwartet tolles und prägendes Erlebnis! Das war 1985.
Nach dem Schulabschluss war dann mit dem Segeln erstmal Pause. Erst fünfzehn Jahre später gab es wieder einen Einstieg. Mit meinem späteren Mann Horst und einem befreundeten Pärchen kauften wir einen 15er Jollenkreuzer aus Eiche Vollholz. Auf dem kleinen Boot verbrachten wir traumhafte Urlaube in und um Berlin. Anfang 2000 hieß es dann noch einmal Leinen los zum Traditionssegeln auf der Ostsee! Diesmal auf der Pippilotta, einem umgebauten Dreimast-Schoner. Das ist schon ein anderes Kaliber als der Jollenkreuzer. Da hieß es Anker hochkurbeln zu sechst und bloß nicht aus dem Rhythmus kommen. Wenn man loslässt, bekommt man die Kurbel nämlich schmerzlich zu spüren.
Etliche Ostseeinseln und am häufigsten Usedom habe ich mit Horst in den weiteren Jahren auch ohne Boot bereist. Es ist ein wunderschönes Revier und bei jedem Wetter einen Besuch wert, an und auf dem Wasser.
Zwischenzeitlich machten wir unseren SKS (Seeküstenschifferschein). Wir waren auf wunderbaren Törns zum Kattegat und in die „Dänische Südsee“. Dann wurden wir ein wenig abtrünnig 😉. Es ging auch mal ins Mittelmeer und die Nordsee.
Besonders erlebnisreich war unser SKS Ausbildungstörn zu zehnt vom niederländischen IJsselmeer, den Ärmelkanal entlang an der Südküste Englands vorbei zu den Kanalinseln bis nach St. Malo in Frankreich. Da hieß es Tidenrechnung üben 😊. 2020 verkauften wir unseren Jollenkreuzer und legten uns ein etwas größeres Segelboot zu.
Eine gebrauchte Selbstbau-Rheinke mit für sie untypischem GFK-Rumpf, Holzaufbauten und Hubkiel. Wir haben sie „Sweet Oyster“ getauft, weil sie komfortabler ist und frei nach dem Shakespeare-Zitat „die Welt ist meine Auster“ benannt. Mit ihr sind wir schon zweimal gemütlich über die Kanäle von Berlin über Stettin ins Usedomer Achterwasser und weiter geschippert. Und sie soll dort auch ihren neuen Heimathafen finden, wenn wir in ToHuus wohnen. Wir drücken die Daumen, dass alles klappt!



